Hollywood-Klischees über Glücksspiel – und wie es wirklich ist

Der berühmte Hollywood Schriftzug - Klischees über GlücksspielHollywood wird nicht nur deshalb auch gern „Die Traumfabrik“ genannt, weil dort Träume wahr werden – oft genug auch, weil dort erst so manche „traumartige“ Illusionen erdacht werden. Eines der Lieblingsthemen der Filmemacher ist dabei immer wieder das große Thema Glücksspiel. Hier wird, wenn es dem Plot dienlich ist, besonders gerne auf die „Übertreiben-Taste“ gedrückt oder auch weitab von jeglicher Realität dargestellt. Der folgende Artikel nimmt die acht dicksten dieser Klischees ins Visier.

1. Kurzes Schach

Zwei Charaktere spielen Schach. Grundsätzlich wird das „Spiel der Könige“ dazu genutzt, um als sinnvolles Transportvehikel für sehr tiefgreifende Gespräche zu dienen – es werden Pläne ent- und verworfen, Lebensentscheidungen diskutiert, tiefgehende philosophische Fragen durchgespielt. Nie geht es um oberflächliche Themen.

Da die Filmzeit begrenzt ist, dauern diese Partien aber grundsätzlich nur eine minimale Anzahl von Zügen – und oft enden sie damit, dass einer der Charaktere, wie um sein Statement aus dem Gespräch zu untermauern, den anderen unvermittelt schachmatt setzt.

Fun Fact: Oft haben die Figur-Aufstellungen sowie die Züge nicht mal entfernt mit den echten Schach-Regeln zu tun.

2. Grundsätzliches Bull‘s Eye

Hollywood Szenen mit Bull's EyeTatort Bar, gerne voller raubeiniger Country-Charaktere. Hauptcharaktere spielen Darts, manchmal einer Wette wegen. Grundsätzlich zielen sie dabei in die Mitte, das Bull‘s Eye, um möglichst hohe Punkte zu bekommen – aber auch nur, weil die Mitte „zuschauerfreundlicher“ ist.

Tatsächlich hat das Bull’s Eye beim Darts eine Wertigkeit von 50 Punkten. Aber je nach Spiel sind viele Punkte gar nicht das Ziel, sondern konkrete Werte. Selbst wenn es um Höchstwerte geht, ist das kleine Segment des inneren Rings auf der Zwölf-Uhr-Position mehr wert. Landet der Pfeil dort, gibt es 60 Punkte – sieht bloß nicht so schön aus wie „voll ins Schwarze“.

3. Ablenken erwünscht

Poker Szene in einem Hollywood-FilmPoker ist bekanntlich ein Spiel, bei dem sich die Teilnehmenden stark konzentrieren müssen, um zu rechnen, zu planen, zu taxieren. Auch Hollywood weiß das. Dort sieht man es aber oft als Anlass, damit ein Charakter (oft zur Zuschauerbelustigung) ablenken kann. Sei es durch Witze, Geräusche, sinnloses Gerede.

Im Film verhilft ihm das meist zum gewünschten Sieg – oft gegen überstarke Gegner. Im echten Leben würden solche Spieler ziemlich schnell vom Kartentisch komplimentiert werden, weil sie versuchen, ihre Gegner zu beeinträchtigen.

4. Üble 70s-Style-Höhlen

Überraschend wenig Kreativität beweist Hollywood auch immer wieder, wenn eine Sportwette platziert werden soll. Oft sieht es im Wettbüro so aus, als sei der Kalender (und der Putzplan) irgendwann in den 1970ern angehalten worden – dicker Teppich, Tabakrauchschwaden, viele holzfurnierte Röhrenfernseher an den Wänden inklusive. Kaum anders wirken auch die Betreiber, gern ältere Herren mit Zigarrenstumpf im Mundwinkel, die in mehrere Telefone (für maximales Flair mit Wählscheibe) gleichzeitig sprechen. Ganz wichtig: Alles muss auf den Zuschauer irgendwie nach Halb- oder Unterwelt wirken.

Auch das ist fernab der Realität. Schon deshalb, weil Sportwetten heute fast ausschließlich im Internet ablaufen. Außerdem unterliegen etablierte und seriöse Wettanbieter strengen Qualitätskontrollen von staatlicher wie privatwirtschaftlicher Seite. Und nicht zuletzt läuft es dort deshalb auch rechtlich vollkommen sauber ab.

5. Frust, Alkohol, ab ins Casino

Casinos in Las VegasFast immer passiert es in Las Vegas in einem Casinohotel. Einer der Hauptcharaktere ist niedergeschlagen. Manchmal wegen eines wilden Streits, oftmals auch, weil die aktuelle Situation reichlich hoffnungslos wirkt.

Entweder ist er zu diesem Zeitpunkt schon auf bestem Wege, betrunken zu sein oder er macht sich auf an die Bar, um es möglichst schnell zu werden – und praktisch immer landet er im Zuge dessen im Casino. Oft an den Automaten, manchmal auch an einem einsamen Roulette-Tisch. Und natürlich lässt das Personal ihn, egal wie betrunken er auch schon ist, seine Einsätze machen.

In der Realität haben die allermeisten Casinos, nicht nur in Vegas, strenge Anti-Alkohol-Vorschriften. Sobald ein Spieler den Eindruck erweckt, dass er „zu viel intus“ hat, kann er sich sicher sein, weder an die Tische noch die Automaten gelassen zu werden. Je nach Zustand wird man ihn auch der Räume verweisen.

6. Nur in Las Vegas wird gespielt

Menschen beim Roulette spielen im CasinoAusnahmen bestätigen die Regel. Gespielt wird überall, sei es mit Browsergames oder doch am Tisch in Las Vegas. Beim Glücksspiel war das in der jüngsten Filmgeschichte nirgendwo deutlicher zu sehen als im 21. James-Bond-Abenteuer „Casino Royale“. Fast musste man sich wundern, dass das titelgebende Casino in Montenegro stand – sonst nämlich scheint es in der Hollywood’schen Filmwelt, als sei Las Vegas die weltweit einzige Stadt, die Casinos vorzuweisen hat.

Dass auf der anderen Seite der USA mit Atlantic City eine weitere wichtige Glücksspielmetropole wartet, wird ebenso ignoriert wie die asiatische Spieler-Metropole Macao und jede andere große Spielbank auf dem Planeten. Hierzu bietet es sich an eine Rundreise durch die verschiedensten Städte zu starten und es selbst mit erleben zu können.

7. Falschspiel? Fausthiebe!

Dass für Hollywood, wenn es das Drehbuch verlangt, die gesamte Glücksspielbranche in den Händen der Mafia liegt, ist ein Klischee für sich. Aber generell geht es für die Traumfabrik in den Casinos ganz gern mal mafiös zur Sache.

Was meistens richtig dargestellt wird, ist, dass die Betreiber alles jederzeit per Video gut im Blick haben. Dann aber wird es wieder Hollywood-mäßig: Schon, dass der Besitzer höchstselbst den ganzen Tag auf die Bildschirme schaut, ist falsch. Und sobald jemand zu viel gewinnt, erwiesenermaßen falschspielt oder auch nur seine Nase nicht dem Casinobetreiber gefällt, rückt die „Security“ an – die klischeemäßig ausschließlich in Hantelstudios rekrutiert wird.

Die muskelbepackten Kerle fackeln dann auch meistens nicht lange. Wo im normalen Spielbetrieb entweder ein Hausverbot ausgesprochen oder die Polizei informiert würde, herrscht in Hollywood-Casinos das Faustrecht – der Delinquent wird kräftig vermöbelt und meist in eine Seitengasse geworfen. Natürlich ohne rechtliche Folgen für irgendwen.

8. Der glückliche Neuling

Vom Tellerwäscher zum Millionär - der Beginn mit Teller abwaschen„Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Hollywood liebt dieses Narrativ nach wie vor heiß und innig – und weiß auch, wie man es aufs Glücksspiel ummodelt. Da ist es nämlich immer jemand, der noch nie auch nur einen Cent auf irgendwas gewettet hat – gern eine ziemlich klischeehafte „Oma im Urlaub“, seltener ist es ein Hauptcharakter. Typischerweise gehört es zum Vorspiel solcher Szenen, dass ein Spielautomat über Stunden mit Münzen gefüttert wird, ohne dass der Spieler etwas erntet.

Wurde er dann (meist von einem Film-Freund) vom Automaten gezerrt, folgt besagter Charakter – eine Münze, „Ding, Ding, Ding“ das Geld fließt nur so aus dem Automaten. Der Neuling ist steinreich.

Goldbesitz eines Millionär - Beispiel für Tellerwäscher zum Millionär MythosSo sieht es wirklich aus: Per Gesetz müssen die „einarmigen Banditen“ in Las Vegas eine Mindestquote von 75 Prozent haben. Die meisten haben mehr als 90, besonders in den großen Spielbanken. Außerdem ist die Elektronik in den Geräten so abgestimmt, dass jeder Zug am Hebel die gleiche Chance hat. Soll heißen, wenn die „Oma auf Urlaub“ an den Automaten geht, sind die Chancen, dass sie sofort den Jackpot zieht, extrem gering. Fun Fact: Hollywood stellt es immer so dar, als seien nur die waagerechten Symbole in der Mitte der Drehscheiben ausschlaggebend. Tatsächlich bieten viele Automaten bei höheren Einsätzen die Möglichkeit, die darüber- oder darunterliegenden Waagerechten sowie Diagonalen als Sieges-Kombination einzubeziehen.

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